nike air max 90 dark grau air max thea wmns die besten nike air max nike air max grau nike sneaker air max 90

Mainzer Ranzengarde von 1837 e.V.
  • PCB Prototype Service
  • PCB Prototype Service
  • SWR: 180 Jahre Ranzengarde

    Zu Ehren unseres Jubiläums eine durch 180 Jahre Mainzer Ranzengarde mit dem SWR!

    Gardist ärgere Dich nicht!

    Feldlager der Mainzer Garden am 18.02.2017 auf dem Theatervorplatz!

    Der neue Ranzengardist ist online!

    Unser Mitteilungsblatt, frisch aus dem Druck.

    Liebes Tagebuch...

    Schon einmal in einem fremden Tagebuch gestöbert? Bei der Mutter aller Garden dürfen Sie das! Werfen Sie doch mal einen Blick auf den letzten Eintrag »Mainzer Ranzengarde erhält den CREO-Preis für Kreativität« von BF!

    Johann Maria Kertell

    Unser Gründer

    Auszüge aus dem Leben von Johann Maria Kertell, dem Gründer unserer Ranzengarde

    zusammengetragen von unserem Gardehistoriker Oberst Hermann von Wucher zu Pille, historischer Streiter für Mainz und die Garde, der jetzt auch Maria genannt wird (profan: Hermann Wucher)

    Unser Gründer: Johann Maria KertellDie Familie Kertell, die sich bis 1770 „Kürtell" nannte, stammte ursprünglich aus Oberursel, wo auch der Vater des Johann Maria Kertell,Johann Baptist Kertell, am 26.05.1744 geboren wurde. Er verstarb am 12.09.1832 in Mainz. Auch seine Mutter Clara, geb. Heibig (geb. am 12.06.1748) stammte aus Oberursel. Sie verstarb am 06.09.1814 ebenfalls in Mainz. Die Familie war nach Mainz übergesiedelt um in die Ölseifensiederei des Urgroßvaters von „Johann Maria Kertell einzusteigen. Dieser hieß Johann Babieri und stammte aus Italien. Sein Geschäft wurde später von Kertells Vater übernommen. Das Geschäfts- und Wohnhaus seines Vaters, daß wahrscheinlich auch das Geburtshaus von Johann Maria Kertell war, befand sich im Bockshöfchen l. Heute befindet sich dort die Rückwand der Bischöflichen Bauverwaltung. An ihr dortiger Stelle eine Tafel an unseren Gründer.

    Als die Familie zu Wohlstand gekommen war, kaufte sie Anfang des 19. Jahrh. Den ehem. Klosterhof des Klosters Anspach, den Ansburger Hof in der Grebenstraße (heute Archiv und Bibliothek des Priesterseminars) und siedelte dorthin um. Nachdem ein Verwandter, der ebenfalls eine Seifensiederei betrieb, sein Geschäft aufgab, galt die Familie Kertell als größte Seifenfabrik im Süddeutschen Raum. Zu Kurmainzer Zeit war sein Vater einer der vier Hauptleute in der Bürgergarde von Mainz, die hauptsächlich bei festlichen Gelegenheiten auftrat und wenn es notwendig war auch Wache an den Stadttoren halten mußte. Am 21.10.1792 als die französischen Revolutionstruppen vor Mainz standen, sollte er als Kommandant mit seiner Mannschaft das Neutor bewachen. Als er zum Mittagessen ging übergab er seinem Sohn Johann Maria, das Kommando. Dieser überließ dann den Franzosen, als diese anrückten, widerstandslos das Tor und rückte mit der Bürgergarde ab.Seiner Mutter schrieb man folgende Eigenschaften zu: Geschäftstüchtigkeit, Temperament und dem Glücksspiel zugetan. Da sie als Kind dieser Gegend auch Wein und Bier nicht verachtete, unterbrach sie ihre Fahrt zur Wiesbadener Spielbank des öfteren in Mainz in der „Goldenen Schipp" um ihren Durst dort zu stillen.

    Nun zu Johann Maria Kertell selbst. Er wurde am 18.05.1771 in Mainz geboren und am gleichen Tag, lt. Kirchenbücher , in der St. Ignaz Kirche,die 1763 - 1774 neu erbaut wurde, getauft. Obwohl in Kertells Geburts-, Ehe- und Sterbeurkunde nur Johann Kertell zu lesen ist, nannte er sich selbst Zeit seines Lebens Johann Maria  Kertell. Ebenfalls war dieser Name so, bis in die 80er Jahre unseres Jahrhunderts, auf seinem Grabstein zu lesen. Auch in der Familienchronik liest man Johann Maria. Theologen und Historiker haben mir persönlich bestätigt, daß sich im 19. Jahrh. oft die Erstgeborenen einer Familie den Namen Maria dazu nahmen. Vielleicht auch deshalb, weil er eigentlich Priester werden wollte und an der Kurfürstlichen Universität Theologie studierte. Als er sich aber bei Weihbischof Valentin Heimes zur ersten Weihe anmelden wollte und ihm dieser, wegen der damaligen Unruhen, bedingt durch die Französische Revolution und die Zeit der Aufklärung, anriet lieber einen ordentlichen Beruf zu ergreifen kam er davon ab und entschloß sich Kaufmann zu werden. Seine Lehrzeit absolvierte er von 1791 - 95 in Köln. Nach seiner Lehre arbeitete er zuerst im Ölseifengeschäft seines Vaters bis er dann im Jahre 1797 im neuerworbenen Haus Liebfrauenplatz 12 , neben der ehem. Preußischen Hauptwache (heute Optiker Müller), die Produktengroßhandlung „Gebr.Kertell" gründete. Das Anwesen wurde 1942 zerstört. Sein Startkapital belief sich auf 20.000 Gulden und ein Darlehen von seinen Eltern in gleicher Höhe. Das war schon ein imenses Vermögen, wenn man bedenkt, daß zu dieser Zeit ein Lehrer etwa ein Jahresgehalt von 50 Gulden erhielt.

    Mit 32 Jahren faßte Kertell den Entschluß zu heiraten. Auf einer Geschäftsreise nach Mittelheim (Rheingau) wollte es das Schicksal, daß sein Pferdefuhrwerk vor dem Elternhaus seiner späteren Frau verunglückte und dieselbe ihm „Erste Hilfe" leistete. Da ihm seine Pflegerin gefiel, warber nach einiger Zeit bei ihrem Vater, dem Schultheisen von Mittelheim,Georg Heimes, um ihre Hand. Die Trauung wurde am 22.04.1804 vollzogen. Aus dieser Ehe gingen 11 Kinder hervor, 5 Knaben und 6 Mädchen. Fünf davon verstarben bereits im Alter bis höchstens 6 Jahreund nur l Sohn und 3 Töchter überlebten den Vater.

    Kertell besaß zur Zeit seiner Eheschließung bereits ein Vermögen von 300.000 Gulden. Da kein Ehevertrag gemacht wurde, ging nach damaligem Recht die Hälfte dieser Summe in das Eigentum seiner Frau, Johanna Kertell geb. Heimes (geb. am 02.06.1782 in Mittelheim, gestorben am 20.05.1847 auf dem Steinheimer Hof in Oberwalluf) über. 1804 erwarb er auch das Haus Karmeliterplatz 2 (ehemaliger Mainzer Hof) als Wohnund Geschäftshaus. In diesem Haus verstarb er auch.

    Um auch politisch Einfluß zu nehmen, was zu seiner Zeit nur durch Besitz von Grund und Boden möglich war, war Kertell bestrebt, seine Gewinne möglichst in Grundbesitz anzulegen. Zu seinen Besitztümern zählten u.a.: Bensheimer Hof (1308 Morgen), das Leeheimer/Ingolheimer Gut (13o Morgen), Steinheimer Hof (36o Morgen) - den letzten noch existierenden Grenzstein von diesem Besitz, mit seinen Initialen J. K., bekam die Mainzer Ranzengarde durch meine Vermittlung Anno 1998 von der Familie Sebastian Fischer, direkte Nachkommen aus der Linie von Kertells Frau, die heute noch Pächter dieses Gutes sind, geschenkt. Weinbergsgut Niedersaulheim (22,5 Morgen), Lendeshof (199,5 Morgen) im Binger Wald (heute Hofgut der Farn. Racke). Mombacher Wiesen (77 Morgen), Eltviller Aue (190 Morgen), diese trug damals auch seinen Namen und ist den alten Eltvillern auch heute noch als Kertell-Aue ein Begriff. Auch der bei den älteren Mainzern sicher noch bekannte Michelsberg (4 Morgen) gehörte ebenfalls zu seinem Besitz. Der zwischen Erbach und Eltville gelegene „Draiser Hofc ging schon sehr früh in den Besitz der Farn, von Bodelschwingh über und wird heute von deren Nachkommen der Farn, zu Knyphausen , bewirtschaftet. Den Steinheimer und Bensheimer Hof bewirtschaftete er selbst, wobei noch zu vermerken ist, daß er nach Aussage einer Enkeltochter letzteren unter Alkoholeinfluß verkauft haben soll. Am anderen Tag habe er den Verkauf sehr bereut, aber erklärt: Ein Kertell bricht sein Wort nicht! Das Angebot den Johannisberg, aus dem Besitz des napoleonischen Marschalls Kellermann , für 30.000 Gulden zu übernehmen schlug er aus, weil ihm die Zeit zu unruhig war und er sein Geld nicht in den Sand setzen wollte.

    Auf dem Steinheimer Hof, seinem Lieblingswohnsitz, wurde von Kertell die erste Backsteinbrennerei nach holländisch-belgischer Art im Süddeutschen Raum gegründet. Die ersten Fertiger dieser Backsteine waren Wallonen, die sich Kertell durch Vermittlung eines Freundes aus Köln kommen ließ. Bei der Fertigung der Backsteine halfen viele Oberwallufer Tagelöhner mit und als sich diese genügend Kenntnisse angeeignet hatten, wurde die Fabrikation mit Einheimischen fortgeführt. Als geschäftstüchtiger Mann machte er sogar vor der französischen Armee nicht halt, bei der er gutes Geld verdiente. Das hinderte ihn aber nicht daran, beim Rückzug Napoleons aus Rußland, das Kurfürstliche Schloß vor dem Schicksal wieder eine Kaserne zu werden zu retten, indem er die Aborte und Kamine entfernen ließ. In seinem eigenen Haus mußte jedoch auch er des öfteren Einquartierung von Offizieren hinnehmen. So war z. B. der Marschall Mortier, Herzog von Treviso, im Jahre 1806 bei ihm einquartiert. Dieser muß so groß gewesen sein, daß Kertell ihm ein übergroßes Bett herstellen lassen mußte. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um das sogenannte „Napoleonbett", das 1945 im Kurfürstlichen Schloß verbrannte.

    Mit Bischof Colmar setzte er sich für die Rettung des Mainzer Domes ein, der durch den napoleonischen Präfekten des Departement Donnersberg, Jeanbon St. Andre, vom Abriß bedroht war. Wegen seines großen Ansehens, das er sich durch seine Geschäftstüchtigkeit errang, wurde er schließlich Mitglied im Stadtrat und der Handelskammer zu deren Vizepräsidenten er dann später gewählt wurde. Kertell war ebenfalls Handelsgerichtspräsident und einer der Präsidenten der Dampfschiffahrtsgesellschaft von Rhein und Main (heute Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt AG), sowie Mitbegründer der Taunusbahn.

    Als Mainz durch den Wiener Kongreß zu Hessen-Darmstadt kam und das Diadem des Heiligen Römischen Reiches verkam, war Kertell wieder ein Mann mit Energie und Tatendrang. Seine Vaterstadt schickte ihn in die 2. Ständekammer des Hessischen Landtages in Darmstadt, wo er ebenfalls viel für Mainz bewegte. Politisch standen Kertell und sein Freund, Prof. Joh. Baptist Neeb, der ebenfalls in der 2. Ständekammer des Hessischen Landtages füngierte, dem „Ersten Mainzer Kreis" unter Colmar/Liebermann nahe. In seinen Anschauungen stand er mit den beiden anderen Mainzer Abgeordneten (Neeb und Lauteren) auf verfassungsmäßigem Boden. Das sollte sich zeigen, als die Abgeordneten des Landtages den vorgeschriebenen Eid auf die Verfassung nicht leisten wollten, weil es in ihren Augen keine sei.Viele reisten sogar ab. Durch das Vermögen zwischen den Zeilen zu lesen, etwas gesunden Menschenverstand und der Gradlinigkeit, besonders von Kertell, kam es aber doch noch zu einer Einigung. In den Beratungen die nun über die Sicherung der verfassungsmäßigen Rechte stattfanden, waren es gerade Kertell und Neeb, die auf einem der wichtigen Rechte des Landtages bestanden - nämlich: das die Verfassung für Jedermann mit dem richtigen Empfinden offen sei. Kertell stellte sogar den Antrag, durch verfassungsgemäßes Gesetz, der Öffentlichkeit Zugang zu den Sitzungen der 2. Kammer zu gewähren. Kertell war auch für die Selbstverwaltung und die Rechtspflege der Rheinprovinz und hätte die Ausdehnung auf die anderen Provinzen gern gesehen. Auch können wir bei Kertell typische Gedanken des vormärzlichen Liberalismus feststellen. Seine Reformbestrebungen waren schon modern. Er schlug vor, unnütze Ausgaben zu streichen oder zu verringern; z. B. Kürzungen beim Militär oder die Streichung der Gesandten an den einzelnen Höfen, denn er war ein großer Verfechter der deutschen Einheit und ein Freund des Zollvereins. Von Kertell stammt der Satz: „Ich kenne in Deutschland keinen Süden und keinen Norden, ich kenne nur Deutschland und das deutsche Zusammenhalten." Als liberaler Katholik war er gegen eine Ausnahmebestimmung in der Besteuerung auch wenn sie seiner Kirche zugute gekommen wäre. Er war sogar für die Besteuerung der Pfarrgüter.

    Zusammen mit Lauteren machte er sich im Hessischen Landtag für die Restaurierung des Mainzer Domes stark und auch die Rückgliederung der katholischen Fakultät von Gießen nach Mainz (man sah in dieser die Brücke zur neuen Universität) lag ihm sehr am Herzen. Trotz seines großen Einsatzes hierfür gelang es ihm leider nicht. Erst Bischof Kettler konnte diesen Kampf für sich gewinnen. Da Kertell sich durch praktische Arbeit in die Höhe gearbeitet hat, konnte er sich nicht mit zu vielen Schulen anfreunden. Sein Standpunkt war, daß die Arbeit mit dem Kopf und mit den Händen Bücherweisheit vorzuziehen sei. Es wäre allerdings falsch, ihm Schulfeindlichkeit zu unterstellen.

    Er hat sich im Hessischen Landtag auch für die Gleichberechtigung von Minderheiten eingesetzt, z. B. für die Juden. Kertell soll auch Briefwechsel mit den Vorständen der jüdischen Gemeinden von Worms, Mainz und Alzey unterhalten haben, was seine liberale Einstellung bestätigt. Als Landtagsabgeordneter liebte er besonders den Kontakt zu seinen Wählern.

    Ausschlaggebend für die Wiederbelebung der Mainzer Fastnacht waren die sogenannten Kölner Wirren, die ihren Höhepunkt in der Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Frhr. v. Droste zu Vischering erreichten. Kertell sah durch diese Ereignis die mühsam errungenen Rechte des jetzt mündigen Bürgers gefährdet was sich mit seiner politischen Einstellung nicht vereinbaren ließ und so kam es, daß er, wahrscheinlich von Köln aus schon früher inspiriert, 1837 dann die „Mainzer Ranzengarde" gründete. Die erste Garde in Mainz. Nach den Kölner „Roten Funken" und einer Düsselsdorfer Garde, die dritte bekannte Traditionsgarde am Rhein. Als Gründer war Kertell auch ihr erster Generalfeldmarschall und Präsident (der jetzige Präsident, Herr Robert Sachse, ist der 2x11.). Kertell hoffte durch diesen Schritt, mit vielen Gleichgesinnten die Meinung des Volkes, im Zuge der Narrenfreiheit, weiterhin stärken zu können. Das erste Hauptquartier der Garde befand sich in der Hauptwache im Mitterhäuschen vor dem neuen Theater sowie dem 1838 errichteten Gutenbergdenkmal. Als Schlachtruf hatte man sich, in abgewandelter Form, den des französischen Generals Cambronne – der 1815 in der Schlacht von Waterloo Gegenspieler von Blücher und Wellington war – „Die Garde ißt und trinkt, aber sie übergibt sich nicht!"  ausgewählt. Im Jahre 1839 hatte sich dann der männlichen Garde schon eine weibliche Kanoniergarde zu Pferde (dies könnten aber auch Männer in Frauenkleidung gewesen sein) unter ihrem Obristen D. Hänlein - beigestellt. 1839 sollte leider schon die letzte Fastnacht unter dem Vorsitz von Kertell sein, denn er verstarb am 24. Mai des gleichen Jahres im Alter von 68 Jahren.. Sein Tod wurde von allen Gesellschaftsschichten seiner Vaterstadt beklagt. Die Schiffe des Hafens sowie die Dampfboote des Rheins senkten ihre Flaggen. Ein sehr großer Teil der Bürgerschaft geleitete seine sterblichen Reste zur letzten Ruhestatt.

    Aber nicht nur in Mainz, sondern weit darüber hinaus, betrauerte man seinen Tod. Sogar die Augsburger Allgemeine (die Bedeutung dieser Zeitung ist etwa mit der heutigen Frankfurter Allgemeinen zu vergleichen) berichtete darüber. Das zeigt, daß Kertell auch über die Grenzen des Großherzogtums Hessen hinaus bekannt war. Zusätzlich sei noch erwähnt, daß aus dem Kadettencorps der „Mainzer Ranzengarde" später, im Jahre 1857, die „Mainzer Kleppergarde" entstand. Sie ist die Zweitälteste Traditionsgarde in Mainz. Durch die Internierung des Erzbischofs Clemens August von Droste zu Vischering am 14.11.1837 auf der Festung Minden ohne Prozeß wurden die Kölner Wirren ausgelöst. Sie waren eine Kurzschlußreaktion des Preußischen Ministers Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein. Grund unter anderem : Mischehe, kath. Kindererziehung. Zündstoff in den unter preußischer Hoheit stehenden kath. Rheinlanden und Westfalen. Die Ausstrahlungen dehnten sich bis Mainz aus. Durch die Haltung der Bürgen in diesen Gebieten erfuhr der politische Katholizismus einen enormen Auftrieb, der durch Erzbischof Geißel, Köln, und Bischof Kettler, Mainz, zum Ausdruck kam. Siehe die Generalversammlung der Deutschen Katholiken 1848 (Katholikentag) in Mainz.

     

    Invasion von Mainz ohne Schwertstreich am 25. Febr. 1838

    Aus: Mainzer Zeitung vom Dienstag, den 27. Februar 1838
    Sollte man wohl glauben, daß mitten im Frieden und mitten in einer auf das kräftigste beschützten Bundesfestung, solche politische und militärische Ereignisse sich zutragen könnten, als gestern hier in unserer freundlichen Rheinstadt wirklich vorgefallen sind. Schon des Morgens um 9 Uhr wurden wir durch eine Überrumpelung fremden Militärs überrascht; es waren lauter stattliche Soldaten, die bei all ihrem kriegerischen Ansehen und ihrer wohlgenährten Beleibtheit doch keine blutigen Absichten gehabt zu haben scheinen; auch wurde ihnen von Seiten der hiesigen Garnisonstruppen bei Beziehung ihrer Hauptwache auf dem Gutenbergplatze nicht der mindeste Widerstand entgegengesetzt. Ein Sprößling aus dem uralten Geschlecht der Edlen von Seuffenkessel, der, wie seine abgegebenen Besuchskarten zeigen, auch die herkömmlichen Gebräuche kennt, ist der General dieser tapferen Truppen, die sich nach so heldenmütig überstandenen Strapazen bei einem Fasse Wein aus dem Keller seiner Exzellenz und allerlei Mundvorräten aus dessen Küche, recht wohl sein ließen. Zeit aber, auf ihren Lorbeeren auszuruhen hatten sie nicht, denn alle Augenblicke mußte eine abkommandierte Truppe in das Innere der Stadt patrouillieren, mit der wichtigen Mission, wie man sich ganz in geheim sagt, eine Weinprobe in den hiesigen Wirtshäusern zu veranstalten und namentlich zu prüfen, ob die dem Rebensaft zur Verdünnung beigegebene Flüssigkeit aus dem Adlerbrunnen und nicht aus einer Pumpe der Niederungen gekommen wäre, damit die neuen militärischen Ankömmlinge, denen durch einen gemessenen Parolebefehl streng untersagt ist, Wasser zu Trinken oder doch sich zu überzeugen, daß bei einem Kaffee-Ersatz wenigstens gutes Wasser verwendet sei, ihre Gesundheit für den nächsten Feldzug erhalten sollten. Diese Vorsicht machte bei dem hiesigen Publikum einen äußerst günstigen Eindruck, da Herr von Seuffenkessel hierdurch nicht allein eine vollkommene Kenntnis unserer örtlichkeit, sondern auch eine gefühlvolle Vorsicht für seine Truppen bewies. Das die tapfere Mannschaft in diesem beschwerlichen Dienst eine heldenmäßige Unermüdlichkeit zeigte, können wir, als Augenzeuge bestätigen. Jetzt verlautbarte auch, daß diese Truppen bloß die Leibgarde, die Elite des berühmten Ranzencorps eines großen Monarchen sei, der heute noch seinen Einzug in unser Stadt zu halten gedenke.
    Und in der Tat durchkreuzten sich bald in allen Richtungen Kuriere aus Frankreich, England, Rußland, Lappland, China, Türkei, Persien, Rom etc., kurz mehr als 33 an der Anzahl, mit Ungeheuern Depeschen worin die nahe Ankunft des Herrschers gemeldet wurde. Unsere ganze Stadt kam in Bewegung; die hiesige und auswärtige Menschenmenge wuchs zu einer undurchdringlichen Masse an, und das Erstaunen erreichte den höchsten Grad, als auf einmal eine eintönige Stimme in den Ruf ausbrach: Er kommt! Er kommt! Wirklich erschien jetzt nach einigen Ankündigungen durch Kammerherren und Hofmarschälle, ein stolzer Postzug von elf arabischen Hengsten mit dem Galawagen worin sich der fremde Alleinherrscher befand; seine Suite, welche aus Sechs-, Vier- und Zweispännern bestand, bildete eine Wagenburg von 60 der elegantesten Karossen, alle besetzt von den Hofchargen, den Ministern, geheimen Räten, Küchen- und Kellerberatern des Fürsten. Die ganze majestätische Karavane hielt ihren Umzug durch die Stadt, wo alsdann der Fürst das ihm zur Residenz in aller Eile hergerichteten Palais zum römischen Kaiser bezog. Leider wurde hier die Indiskretion begangen, daß der sonst sehr fein diplomatisch dressierte geheime Rat Marinelli, das Inkognito verriet und Letzteren dadurch in die gewiß unangenehme Lage brachte, statt einmal in süßer Unbekanntheit von seinen schweren Regentensorgen im süßen Nichtstun auszuruhen, die Hände, Kopf und Herzvoll zu tun bekam, indem er mit Bittschriften, Vorstellungen, guten Rat und Geschenken dermaßen überhäuft wurde, daß er die ganze Nacht fast kein Auge zutun konnte. Freilich waren die Ansinnen zum Teil von solcher Wichtigkeit, daß sie den ganzen Scharfsinn und das höchste Interesse Seiner Majestät anregen mußten. So trat z. B. ein Vorsteher des edlen Roßgeschlechts aus Kastei mit dem untertänigen Gesuch auf, der Fürst möge doch veranlassen, das bis zur nächsten Kursaison die Eisenbahn nach Wiesbaden fertig sein möge, weil sämtliche Pferde, die sechsmal des Tages mit 10 bis 12 Personen beladen, den Weg nach Wiesbaden hin und zurück machen müßten, fest beschlossen hätten, diesen Schinderdruck nicht länger zu ertragen und lieber eine Revolution auf Leben und Tod anzufangen.
    Diese energische aber gerechte Sprache und das Wort Revolution, welches zwar unschicklich befunden wurde, soll Seine Majestät gerührt und höchst sie veranlaßt haben, die Sache zur Empfehlung zu bringen. Ferner kamen folgende zu unserer Kenntnis gekommenen Eingaben vor: Untertänigst gehorsamste Bitte des Wallas Kater von Katerfeld, um Herstellung der Strenggläubigkeit, oder Schutz im jüngsten Besitz einer Servitut des Durchgangs (also eines Wegerechtes). „Aller untertänigst treu gehorsamste Bitte der Hundegemeinde um Hundefreiheit und Emanzipation." Beide letzteren Bittsteller sind wir in dem Falle unsern Lesern in dem Unterhaltungsblatte mitzuteilen. Da nun doch einmal das Inkognito entschleiert war, so verkündigte Seine Majestät, das höchste auf einem eigenen, mitten in der Stadt erbauten Throne die öffentliche Huldigung entgegenzunehmen beschlossen hätte, aufweiche gemütliche Äußerung das ganze Volk in den donnernden Ausruf einstimmte: „Es lebe Fürst Carneval!"